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Himingbjörg
Welcome to the halls of heimdall
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Was den Titel zu diesem Roman betrifft bin ich mir noch nicht sicher, vielleicht sollte ich ihn "Schicksalsfäden" nennen. Dieser Roman drückt viel aus, was ich auch selbst fühle, was allerdings erst so nach und nach zum Vorschein kommt. Er beschäftigt sich viel mit der Nordischen Mythologie und spiegelt so eines meiner Hobbies wieder. Ich werde außerdem am Ende ein Nachwort schreiben, daß meine Ansichten zu Glauben und verschiedenen Religionen ausdrückt, weil ich der Meinung bin, daß in dieser Hinsicht zu viel Intoleranz auf unserer Welt herrscht.


Hagen schlug das Nachtlager ein ganzes Stück weit von der Hütte entfernt auf einer Lichtung auf. Sie hatten Alexander auf der Barre hergeschleift, er war immer noch bewußtlos, hatte allerdings kein Fieber mehr. Über dem Feuer brit ein Hase, er hatte ihn gefangen, damit der Mann etwas anständiges zu Essen bekommen würde, wenn er erwachte. Dorina saß da und kaute an einer Keule. "Wo wollen Sie hin?", fragte sie erschrocken, als Hagen sich entfernen wollte.
"Ich komme wieder, keine Sorge. Sie haben einen Dolch und etwas zu essen, wenn Sie hier bleiben passiert Ihnen nichts!", er verschwand hinter der nächsten Baumgruppe.
Bring ich es hinter mich, dachte er mit angeekeltem Gesicht, als er die Hütte der Hexe erreichte. Gerade als er an der Tür ankam wurde sie von innen geöffnet.
"Ich habe dich schon erwartet. Tritt ein!", kächzte die Alte und trat einen Schritt zur Seite, "Ich hab dir auch schon etwas zu trinken gemixt, damit es dir nicht zu schwer fällt!", ihr Lachen klang unwirklich in seinen Ohren. Überhaupt wurden die Kopfschmerzen wieder stärker, begleitet von einem lauten Rauschen in seinen Ohren, er hört ihre Stimme nur noch weit entfernt.
"Was ist das?", fragte er unsicher, als sie ihm einen Holzbecher mit einer übelriechenden Flüssigkeit reichte.
"Es wird dir nichts tun, glaub mir! Es enthält nur etwas Bilsenkraut und Schierling und einen kleinen Teil zerstampften Fliegenpilz. Trink!"
Hagen sog tief die Luft ein und kippte den Trank hinunter. Sogleich rückten seine Kopfschmerzen in weite Entfernung, ein leichtes Schwindelgefühl machte sich in im breit.
"Komm, edler Mann!", scherzte die Hexe, begleitet von ihrem krächzendem Kichern. Sie zog ihn zu ihrem Lager, einige Decken waren in der hinteren Ecke der Hütte auf dem Boden ausgebreitet. Hastig drückte sie ihre alten, trockenen Lippen auf seine. Er ließ es mit sich geschehen, er war nicht mehr Herr seiner selbst, der Trank hatte ihm jeden Willen genommen.

Dorina war ihm gefolgt, immer in einem sicheren Abstand, aber er hätte sie vermutlich sowieso nicht bemerkt. Sie hatte sich schon gedacht, dass er hierherkommen würde, schließlich stand die Bezahlung noch aus oder zumindest hatte sie nichts davon mitbekommen. Leise näherte sie sich einem kleinen Fenster in der Nähe der Türe und lugte vorsichtig hinein, genau in dem Moment, als die Hexe Hagen auf ihr Lager zog und die Beiden sich ihrem hemmungslosen Liebesspiel hingaben, das flackernde Licht, das von dem Feuer ausgestrahlt wurde, verstärkte das Bild, das sich ihr bot noch zusätzlich. Hastig wand Dorina sich ab, als sie ihren Blick nach einiger Zeit wieder den Beiden zuwandte bemerkte sie, dass die Alte sie grinsend anstarrte. Erschrocken fuhr sie zusammen und rannte stolpernd davon. Einige Meter von der Hütte entfernt lehnte sie sich an einen Baum und schüttelte verständnislos den Kopf. Sie stand nicht lange so da, als sie das Quietschen der alten Türe hörte. Gänsehaut bildete sich auf ihrem Körper und ein eiskalter Schauer ergoß sich über ihren Rücken. Ängstlich spitzte sie um den Stamm herum in Erwartung die Hexe auf sich zukommen zu sehen, aber sie war es nicht. Langsam taumelte Hagen heraus, sie nahm in der Dunkelheit nur seine Umrisse wahr, wußte aber, dass er es war, und verschwand hinter den nächsten Bäumen.

Er ließ sich erschöpft und angewidert niedersinken, nachdem er sich zweimal übergeben hatte. Der Trank, den ihm die Hexe verabreicht hatte, ließ langsam nach und neben seinen Sinnen kehrten auch seine Kopfschmerzen zurück. Vorsichtig massierte er seine Schläfen.
"Was hast du getan du Schwein?", ertönte es hinter ihm und er hörte Schritte. Hastig fuhr er herum und sah Dorina auf ihn zukommen. Sie starrte ihn verabscheuend an und fauchte: "Hast du es so nötig? Du bist dir doch wirklich für nichts zu schade!" Ihr Körper bebte während sie ihn anschrie.
Hagen hatte nicht die Kraft ihren Anschuldigungen Einhalt zu gebieten, er sank immer weiter zurück und nahm ihr Gezeter nur noch als leises Flüstern wahr. Seine Fäuste pressten sich gegen seine Stirn und seine Atmung ging immer schneller bis er schließlich hinwegsank, eine tiefe Schwärze machte sich breit und er krachte mit dem Kopf gegen einen Felsbrocken. Dorina zuckte erschrocken zusammen, als sie ihn zusammenbrechen sah. Langsam fasste sie sich wieder und eilte auf die am Boden liegende Gestalt zu.
"Hagen, wach auf!", sie rüttelte ihn hilflos, doch er reagierte nicht. Nach einiger Zeit, die ihr schier ewig vorkam, erhob sie sich und rannte zurück zu ihrem Lager, sie mußte ihm etwas zu trinken holen.
Alexander starrte ihr schon aus der Dunkelheit entgegen, als sie dort ankam. "Wo kommst du her? Ich hab mir Sorgen gemacht, als ich aufgewacht bin. Warum hast du mich alleine gelassen?", als er ihren aufgelösten Zustand wahrnahm entgegnete er aufgebracht: "Wo ist er? Hat er dir etwas getan?"
Dorina schüttelte nur rasch den Kopf, packte den Wasserbeutel und verschwand wieder. Sie brauchte eine ganze Weile bis sie die Stelle, an der sie ihn verlassen hatte, wiederfand. Dort angekommen zog sie seinen Kopf auf ihre Knie und flößte ihm einige Tropfen Wasser ein. Dann riss sie ein Stück aus ihrem Rock und befeuchtete es um seine Stirn zu kühlen.

Als er das Bewußtsein verlor, sank er in eine undurchdringliche Dunkelheit. Er hörte zwar Stimmen, aber nur weit entfernt, außer ein Krächzen, dass in seiner Nähe sein mußte. Im Traum fuhr er wie wild herum konnte jedoch nichts wahrnehmen. Jemand machte sich über ihn lustig, doch er sah niemanden. Seine Glieder spielten im Streiche und sein Kopf schien in Flammen zu stehen.
Plötzlich brachte jemand Kühlung, er spürte wie das Feuer in seinem Kopf langsam erlosch und die pechschwarze Dunkelheit wurde von einem leicht dämmrigen Licht vertrieben. Es dauerte eine Zeitlang ehe er tatsächlich seine Augen aufschlagen konnte, denn das zurückgekehrte Licht blendete ihn, obwohl es fast genauso dunkel war, wie in seinem Traum. Seine Kehle war wie ausgetrocknet und er schluckte hart. Dorina hielt im den Beutel an die Lippen und das kühle Wasser floß seine Kehle hinab, er schluckte hastig, was wiederum in einem Hustenanfall endete, der ihn schüttelte.
"Ganz ruhig!", sie richtete seinen Oberkörper auf und klopfte auf seinen Rücken, "Was ist passiert? Sie sind einfach zusammengebrochen."
"Nichts, es geht schon wieder.", flüsterte er vorsichtig.
"So, das scheint mir aber nicht so. Was war das? Und wieso haben Sie das mit dieser Hexe...", sie fing an zu stottern und errötete. Er starrte sie unsicher an und murmelte dann: "Das war die Bezahlung!"
"Was?"
"Die Bezahlung, wäre es dir lieber gewesen sie selbst zu übernehmen?", seine Stimme kehrte zurück und er nahm noch einen starken Schluck aus dem Beutel. Sie nahm den Übergang zum DU einfach hin.
"Wie...Wieso hast du das getan?", es war kein Vorwurf, mehr eine ehrlich gemeinte Frage.
"Ich weiß nicht was sie mit dir getan hätte, aber mir schien mein Los das harmlosere zu sein! Wieso bist du mir gefolgt?"
"Ähh...", wieder stotterte sie, "Ich war neugierig, glaube ich. Es tut mir leid, ich hätte beim Lager bleiben sollen." Sie hielt inne. "Das Lager, Alexander!", hastig erhob sie sich.
"Ja, gehen wir zurück, es muß schon nach Mitternacht sein!"; vorsichtig stemmte er sich hoch, seine Knie waren noch ziemlich weich und er schwankte anfangs, doch mit jedem Schritt kehrte seine Kraft zurück. Schweigsam gingen sie nebeneinander her.



© 09.09.2003 by ARATOS email: aratos_99@web.de