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Das Frankenreich unter Chlodwig 482 - 511

1. Geschichtliche Einführung - Von der Völkerwanderung zum Frankenreich

Die germanische Völkerwanderung des 4. Jahrhunderts war eines der größten Zeugnisse für Mobilität in der Geschichte schlechthin, denn sie veränderte das Gesicht Europas von Grund auf. Germanische Stämme aus Norden und Osten setzten sich in südwestlicher Richtung in Bewegung meist aus Landnot aufgrund klimatischer Veränderungen oder auch aus Flucht vor den heranstürmenden Reiterhorden der Hunnen. Sie durchbrachen die römischen Grenzen und gründeten auf römischem Boden neue Reiche, wodurch das ehemals starke Römische Reich vollends zerbrach. Die meisten davon hielten sich nicht allzu lange und wurden nach und nach anderen Reichen einverleibt, doch eines stach heraus und dominierte noch viele Jahrhunderte das mittelalterliche Europa, das Frankenreich. Der Name "Franke" tauchte das erste Mal im 3. Jahrhundert auf und bedeutete "der Mutige", "der Kühne". Es war eine Bezeichnung für mehrere sog. istwäonische Stämme, die zwischen Rhein und Weser siedelten und gelegentlich gemeinsame Angriffs- oder Verteidigungszüge unternahmen. Unter diesem Stammeszusammenschluss sind bekannt die Chamaven, Chatturier, Brukterer, Amsivarier und die Salier. Bis zum 6. Jahrhundert waren diese Stämme von Rom unterworfen und lieferten dem Reich unter anderem Soldaten (Anlage1 Zitat1). Unter Kaiser Julian wurden die Salier im Jahr 358, als wehrpflichtige Bauern in Toxandrien angesiedelt; sie dienten den Römern als "Pufferzone gegen das heidnische Europa". Um 456 herum wurde Merowech Kleinkönig der Salier, der vermutlich ein Sohn der thüringischen Prinzessin Merowna (367 - 407) war . Er gilt heute als Stammvater der Franken, denn von ihm bekam das Geschlecht der zukünftigen Könige seinen Namen, die Merowinger (Anlage 1). Es folgte noch dessen Sohn Childerich, der neben der Tätigkeit eines fränkischen Kleinkönigs auch noch römischer General in der Belgica II war, ehe dessen Sohn Chlodwig dem Frankenreich die Bedeutung gab, die es noch Jahrhunderte beibehalten sollte. Unter ihm begann der Aufbau der fränkischen Großmacht in Europa.

2. Das Frankenreich der Merowinger unter Chlodwig
2.1. Merowingische Landnahme


2.1.1. Reich des Syagrius
Als Childerich im Jahr 482 starb und in seiner Residenzstadt Tournai prunkvoll beerdigt wurde übernahm sein damals 16-jähriger Sohn Chlodwig (auch Chlodovech, frz. Chlovis) (Anlage 4) die Herrschaft über einen Teil der salischen Franken, das Teilkönigreich von Doornik. Anfangs war er somit nicht mehr als sein Vater, ein salischer Kleinkönig neben anderen und auch, wie aus einem Glückwunschschreiben des Bischofs Remigus von Reims hervorgeht, Föderatengeneral der Belgica II. Diesem Glückwunschschreiben ist auch zu entnehmen, dass die heidnischen Könige von Tournai gute Beziehungen zu den kirchlichen Oberhäuptern ihrer Provinz unterhielten. Es sind zu dieser Zeit noch zwei weitere salische Herrscher bekannt, die Chlodwig teilweise bei seinen Expansionsfeldzügen unterstützten, Chararich und Ragnachar von Cambrai. Anfangs hielt Chlodwig Frieden mit den benachbarten Völkern, da die zentrale Macht in Gallien auf der Seite der Westgoten lag, die mit Eurich einen starken, überlegenen Herrscher hatten. Als sich jedoch aufgrund vieler germanischer Eingriffe die Situation des römischen Restreiches rapide verschlechterte, der Westgotenkönig Eurich im Jahr 484 starb und dessen Sohn Alarich das Reich nicht zusammenhalten konnte, brach Chlodwig mit der Politik seines Vaters und griff im Jahr 486 das Reich des gallorömischen Königs Syagrius an (Anlage 2), der sich selbst als letzter römischer Statthalter ansah. In der Nähe von Soisson trafen sie aufeinander und mit Unterstützung von Ragnachar von Cambrai trug Chlodwig einen schnellen und vollständigen Sieg davon. Der andere salische Kleinkönig Chararich enthielt sich dieses Feldzuges. Syagrius flüchtete nach dieser Niederlage zum Westgotenkönig Alarich II nach Toulouse, der ihn jedoch aufgrund der Bedrohung durch Chlodwig an die Franken auslieferte. Nach kurzer Gefangenschaft wurde er "auf Befehl des Frankenkönigs heimlich mit dem Schwert getötet". Der Franke nahm nach diesem Sieg nicht das ganze Reich auf einmal ein, sondern versuchte erst seine Macht in dem Gebiet bis zur Seine zu festigen ehe er bis zur Loire vordrang. Nach diesem ersten Teil der sogenannten merowingischen Landnahme gab es die ersten Meinungsverschiedenheiten im fränkischen Heer, was mit den Unterworfenen zu geschehen hatte. Während Chlodwig sich bemühte eine gute Beziehung zu der ansässigen Bevölkerung aufzubauen, gingen andere seines Heeres nach Kriegsrecht vor und plünderten z.B. Kirchen. Als ein Bischof, vmtl. Remigus von Reims, Chlodwig beispielsweise bat das geraubte Kirchengut zurückzuerhalten, bekam der König von seinen Gefolgsleuten zu hören, er könne seinen Anteil an der Beute zurückgeben, sie würden jedoch ihrem Kriegsrecht folgen und ihren Teil behalten. Nach diesem Sieg verlegte Chlodwig seinen Sitz von Tournai nach Soisson und nannte das neu eroberte Gebiet rex Francorum, als Gegensatz zur rex Romanorum.

2.1.2. Reich der Thoringi
Im Jahr 491 eroberte Chlodwig das Reich der "Thoringi" (Thor's Leute?). Es geht aus den vorhandenen Quellen nicht eindeutig hervor welches Gebiet damit gemeint ist, es wird einmal als Kleinreich im heutigen Belgien bezeichnet oder auch als Bezeichnung für den Stamm der Thüringer. Unter der ersten Bezeichnung wird dieser Feldzug jedoch nur kurz erwähnt ohne nähere Angaben. Während bei zweiter Bezeichnung der kleine Stamm der Thüringer gemeint ist, zu dem Chlodwigs Vater Childerich einst floh, als er von seinen eigenen Leuten wegen Unzucht vertrieben worden war und von dem seine Mutter Basina stammte. Nach Gregor von Tours hatte Chlodwig die Thüringer damals so um ihre Selbstständigkeit gebracht, dass sie im Frankenreich aufgingen und fortan aus der Geschichte verschwanden.

2.1.3. Reich der Alemannen
Trotz dieser Erfolge war sein Expansionsdrang noch nicht gebremst, denn im Jahr 496 kam er den Rheinfranken zu Hilfe, die bei einem Zusammenstoß mit den Alemannen, welche am Unterlauf des Mains bis zum Bodensee und vom heutigen Elsaß bis zum Lech siedelten (Anlage 2), nicht eindeutig die Oberhand behalten konnten. Chlodwig griff in die Schlacht bei Zülpich ein, jedoch auch sein Feldzug stockte und als eine Niederlage kurz bevorstand rief der heidnische König den christlichen Gott um Hilfe an und schwor sich im Falle eines Sieges taufen zu lassen. Dieses Anrufen des fremden Gottes während einer Schlacht benützten zur damaligen Zeit viele germanische Könige um den fremden Glauben zu testen. Im Falle des Frankenkönigs schien es zu helfen, denn er trug schließlich einen Sieg davon und unterwarf die Alemannen, die zwar ihr Stammesrecht behielten, jedoch Tribut an die Franken leisten mussten. Bei dieser Schlacht wurde der König der Kölner Franken Sigibert schwer am Knie verwundet und man nannte ihn fortan nur noch "Sigibert den Lahmen". Viele Jahre herrschte Chlodwig ohne weitere Zwischenfälle in diesem neueroberten Gebiet, bis die Alemannen im Jahr 506 einen erneuten Aufstand wagten, den Chlodwig, vermutlich in der Nähe von Straßburg, blutig niederschlug. Er verfolgte die Besiegten bis an die Grenzen des Ostgotenreiches und hielt erst inne, als Theoderich der Große, König der Ostgoten, ihn in einem Brief zur Aufgabe der Verfolgung aufforderte und die Alemannen in Raetien ansiedelte. Nach diesem Aufstand gliederte der Frankenkönig die ehemals alemannisch beherrschten Gebiete links des Rheins und Elsaß sowie zwischen Main und Neckar in sein Frankenreich ein. Bei diesen beiden Auseinandersetzungen mit den Alemannen ist sich die Forschung noch uneins , ob Chlodwig bei beiden Feldzügen die Oberhand behalten hatte, denn von dem ersten Krieg 496/497 wird nur von Gregor von Tours in Zusammenhang mit der Bekehrung zum Christentum beiläufig berichtet, während ein Schreiben Theoderichs des Großen den Alemannensieg von 506 eindeutig belegt.

2.1.4. Reich der Westgoten
Schon 498 drangen die Franken bis Bordeaux ins Reich der Westgoten vor, wie aus der Fortsetzung der Chronik Prospers von Aquitanien zu entnehmen ist. Dieser Feldzug jedoch kam zum Stillstand, als Theoderich ein Friedensabkommen zwischen den beiden Völkern vermittelte. Bei diesem ersten Gotenkrieg hat Chlodwig angeblich seine Kompetenzerklärung in der Martinsbasilika von Tours abgegeben, dies ist jedoch nicht eindeutig belegt. Chlodwig zog sich damals zurück und wandte sich anderen Aufgaben zu. Erst ein Jahr nach der Eingliederung des Alemannenreichs kam es erneut zu einem Krieg gegen die Westgoten (Anlage 2); dieser zweite Gotenkrieg wird auch als Religionskrieg gegen die Arianer bezeichnet. Chlodwig nahm erst Kontakt mit den Burgundern und Kaiser Anastacius I. von Ostrom auf, welcher wegen Sirmium, einem Gebiet, das die Ostgoten ihm entrissen hatten, mit Theoderich zerstritten war, bevor er zum entscheidenden Schlag ausholte. Zusammen mit den Burgundern und den Rheinfranken unter Sigiberts Sohn Chloderich griff Chlodwig schließlich Alarich II., den König der Westgoten, an. 507 kam es zur Schlacht von Vouillé, in der Alarich von der Hand Chlodwigs fiel und die Westgoten nach Spanien zurückgedrängt wurden. Sieghelfer in dieser Schlacht waren damals Martin von Tours und Hilarius von Poitiers, die im 4. Jahrhundert bedeutende Vorkämpfer gegen den Arianismus waren. Chlodwig überwinterte nach dieser Schlacht in Bordeaux, während sein Sohn Theuderich weiter nach Süden bis Clermont Ferrand zog. 508 drangen sie weiter ins Westgotenreich vor und eroberten Toulouse und den Schatz Alarichs. Durch Eingreifen der Ostgoten blieb Septimanien, der Küstenstreifen nordöstlich der Pyrenäen bis zur Rhonemündung westgotisch und die Provence ging an Theoderich. Als Chlodwig die Mittelmeerprovinzen Narbonne und Arles an Gundobad, König der Burgunder, abgab, wurde dieser dadurch Kontrahent der Ostgoten. Im Jahr 508/509 kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Ostgoten und Burgundern in der Theoderich die Mittelmeerprovinzen eroberte. Chlodwig marschierte zurück nach Tours, wo er schon von einer Gesandtschaft Anastacius' erwartet wurde, die ihm eine "vestis regia", ein Diadem und die Ernennung zum Ehrenkonsul überbrachte, die ihn auf gleichen Rang wie Theoderich stellte. Nach dieser Ehrung demonstrierte er seinem Volk seine Stellung: "In der Kirche des heiligen Martin legte er feierlich ein purpurnes Gewand an, sein Haupt schmückte er mit einem Diadem. Danach bestieg er sein Pferd und streute während eines Umrittes Gold- und Silbermünzen unter das Volk. Seit dieser Zeit soll Chlodwig "gleich einem Kaiser" Augustus genannt worden sein.". Daraufhin verlegte Chlodwig seinen Sitz nach Paris und gab dieser Stadt die Bedeutung einer Hauptstadt, die sie bis heute genießt. Seinen Palast errichtete er in einem öffentlichen Gebäude der Römerzeit auf der Ile de la Cite, vermutlich an der Stelle, an der heute der Palais de Justice steht.

2.1.5. Reich der Burgunder
Chlodwigs Versuch das Burgunderreich zu erobern schlug fehl (Anlage 2). Er hatte sich mit dem burgundischen Unterkönig Godegisel von Genf, einem Bruder des Oberkönigs Gundobad, verbündet, der für seine geplante Reichsausdehnung die Hilfe der Franken benötigte, Chlodwig ging aufgrund der Zusage von jährlichen Tributen und einiger Gebietsabtretungen auf dieses Bündnis ein und zusammen siegten sie im Jahre 500 bei Dijon. Gundobad floh nach Avignon, konnte jedoch ein Jahr später sein Reich, vermutlich mit westgotischer Unterstützung, zurück erobern und seinen Bruder Godegisel beseitigen, an dessen Stelle er dann seinen Sohn Sigismund setzte.


2.2. Bekehrung zum Christentum

Schon Childerich hatte, obwohl er Heide war, gute Beziehungen zu den Oberhäuptern der römisch-gallischen Kirche unterhalten, wie auch aus dem oben erwähnten Glückwunschschreiben des Bischofs Remigus hervorgeht. Als Chlodwig sich nun 493 mit Chrodechilde, einer Nichte des Burgunderkönigs Gundobad, die gläubige Katholikin war, vermählte, nahm der Druck auf ihn zu sich für eine der beiden christlichen Glaubensrichtungen zu entscheiden. Die meisten germanischen Stämme wie Goten, Langobarden und ein Großteil der Burgunder hatten sich für den arianischen Glauben entschieden, da dieser den germanischen Glaubensvorstellungen mehr entsprach, indem er von der Verschiedenheit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist ausging, während der Katholizismus diese Drei als Eins ansah, jedoch war der Arianismus schon 325 wegen Ketzerei von den "offiziellen" Lehren der katholische Kirche verdammt worden. Für Chlodwig jedoch lag der katholische Glauben näher, da seine Frau sich dazu bekannte und auch sein erobertes Gallien. Auf der anderen Seite nahm in seiner Familie aber auch der Arianismus eine Stellung ein, als seine Schwester Audofleda sich mit Theoderich dem Großen vermählte und seine andere Schwester Lantechilde daraufhin zum arianischen Glauben übertrat. Chrodechilde konnte schließlich die Taufe ihrer Söhne Ingomer und Chlodomer durchsetzen. Chlodwig jedoch zögerte seine Entscheidung so lange wie möglich hinaus und folgte dem Vorbild seines Vaters, indem er sich darum bemühte, sich gut mit den Kirchen zu stellen und ihnen das erbeutete Kriegsgut zurückzugeben. Da seine Frau ihn jedoch immer wieder bedrängte sich endlich taufen zu lassen, versprach er ihr, zu dem katholischen Glauben überzutreten, wenn ihn ein Zeichen ereilen würde. Als sein Sohn Ingomer jedoch bei der Taufe an dem Wasser erstickte und starb wurde dies als der Zorn der alten Götter interpretiert. Chlodwig tobte und machte seiner Frau große Vorwürfe. Sie schaffte es jedoch auch ihren zweiten Sohn Chlodomer taufen zu lassen. Nachdem dieser nun auch noch an dem Taufwasser erkrankte sah er von einer Bekehrung vollends ab. Chlodomer genas wieder und Chlodwig wartete weiter auf ein Zeichen des Christengottes, bevor er sich bekehren lassen würde. Dieses Zeichen wurde ihm, so Gregor von Tours, in der Alemannenschlacht gegeben, als er am Rande der Niederlage den christlichen Gott anflehte und schwor sich im Falle eines Sieges taufen zu lassen. Zurück in seiner Residenz vertraute er seiner Frau Chrodechilde das Gelübde an, das diese an Gregor von Tours weitergab:
"Jesus Christus, Chrodechilde verkündet, du seiest der Sohn des lebendigen Gottes; Hilfe, sagt man, gebest du den Bedrängten, Sieg denen, die auf dich hoffen - ich flehe dich demütig an um deinen mächtigen Beistand: gewährst du mir jetzt den Sieg über diese meine Feinde und erfahre ich so jene Macht, die das Volk, das deinem Namen sich weiht, an dir erprobt zu haben rühmt, so will ich an dich glauben und mich taufen lassen auf deinen Namen. Denn ich habe meine Götter angerufen, aber wie ich erfahre, sind sie weit entfernt davon, mir zu helfen. Ich meine daher, ohnmächtig sind sie, da sie denen nicht helfen, die ihnen dienen. Dich nun rufe ich an, und ich verlange, an dich zu glauben; nur entreiße mich aus der Hand meiner Widersacher."
Chrodechilde nahm daraufhin im Einvernehmen mit ihrem Mann Kontakt zu dem Bischof Remigus von Reims auf, jedoch im Geheimen, da Chlodwig weiter unsicher war, ob sein Volk ihm weiter folgen würde, wenn er den christlichen Glauben annahm, was auch aus einer Erklärung an eben jenen Bischof hervorgeht, die Gregor von Tours folgendermaßen überlieferte:
"Gern würde ich, heiligster Vater, auf dich hören, aber eins macht mir Bedenken, das Volk, das mir anhängt, duldet nicht, daß ich seine Götter verlasse; doch ich gehe und spreche ihnen nach deinem Wort.".
Gleichermaßen sah er es aber auch als einen wichtigen politischen Zug an, da er durch diesen Schritt seine Macht im eroberten gallischen Gebiet weiter festigen konnte. Nach einer Heeresversammlung, in der er sein Vorhaben vortrug, legte sich diese Unsicherheit und Chlodwig ließ sich am Weihnachtstag des Jahres 497 oder 498 zusammen mit ca. 3000 Franken von Remigus in Reims taufen (Anlage 3), gemeinsam mit ihm trat auch seine Schwester Lantechilde, die vorher Arianerin gewesen war, zum katholischen Glauben über. Chlodwigs Entscheidung zum Katholizismus war hierbei mehr Berechnung als Überzeugung, denn noch ein Jahr vor seiner Taufe sprach er gegen das Christentum:
"Euer Gott ist augenfällig ein ohnmächtiges Wesen und, was noch schlimmer ist, nicht einmal vom Stamm der Götter.".
Er wählte diese Glaubensrichtung hauptsächlich, da es ihm mehr Rückhalt in den gallischen Gebieten bot. Außerdem bekam er durch diesen wichtigen Schritt auch die Unterstützung der Bischöfe sowohl religiös als auch politisch und militärisch. Woraufhin die Kirche "neben König und Heer die dritte tragende Säule des Frankenreiches" wurde.


2.3. Innenpolitik

2.3.1. Beseitigung der Mitkönige
Anfangs war Chlodwig nicht mehr als ein Kleinkönig neben vielen anderen fränkischen Kleinkönigen, doch nach und nach wurde er der alleinige Herrscher über ein Reich, dass sich durch halb Europa erstreckte. Diese Einigung war eine seiner wesentlichen historischen Leistungen. Im ersten Jahrzehnt des 6. Jahrhunderts entledigte er sich der meisten der anderen fränkischen Kleinkönige um als Großkönig in die Geschichte einzugehen. Sehr deutlich wird das am Beispiel von Sigibert dem Lahmen, der diesen Beinamen aus der Schlacht der Alemannen trug. Chlodwig sicherte sich seine Herrschaft über das Gebiet der Rheinfranken, indem er Sigiberts Sohn Chloderich dazu anstiftete seinen Vater zu ermorden und diesen dann selbst töten ließ, ehe er sich zum König der Rheinfranken ausrief. Ragnachar von Cambrai, der ihn im Kampf gegen Syagrius unterstützt hatte, tötete er mit eigener Hand, nachdem er ein ganzes Heer gegen ihn geschickt hatte, ebenso dessen Bruder Richar. Rignomer, ein weiterer Bruder Ragnachars, konnte fliehen und wurde bei Le Mans umgebracht. Chararich, der zweite salfränkische Kleinkönig, der ihm seinen Beistand in der Schlacht gegen Syagrius verweigert hatte, wurde zusammen mit seinem Sohn "mit List" gefangengenommen und, als Zeichen des Verlustes der Königswürde, des langen Haares beraubt. Kurz darauf zwang Chlodwig Chararich sich zum Priester und seinen Sohn zum Diakon weihen zu lassen, ehe er ihn doch noch ermorden ließ. Nach Gregor von Tours waren diese Könige nicht die Einzigen, die ermordet wurden. Chlodwig ließ aus Angst um sein Reich noch eine ganze Reihe weiterer Könige, Stammesanführer und sogar seine nächsten Verwandten töten. Nur ein Reich überstand laut des byzantinischen Geschichtsschreiber Prokops diesen Vernichtungszug Chlodwigs: das Kleinreich der Warnen im Rheinmündungsgebiet. Es behauptete weiterhin eine gewisse Autonomie, der Grund hierfür ist unklar, vermutlich war dieses Gebiet zu unwichtig. Dieser Teil seiner Innenpolitik trug wesentlich dazu bei, dass er zum fränkischen Großkönig über ein vereintes Reich aufstieg.

2.3.2. Lex Salica - Das Volksrecht
Nach dem Sieg über die Westgoten und die daraus entstandene Erweiterung seines Herrschaftsgebietes, ließ Chlodwig das Recht seines Volkes in einem Gesetz festlegen, der "Pactus legis Salicae" oder auch "Lex Salica scripta"; er schaffte dadurch eine einheitliche Rechtsgrundlage für sein Volk. Die Burgunder und Westgoten hatten zu der Zeit schon lange solche "Volksrechte", die Aufzeichnungen Chlodwigs schienen jedoch nach der damaligen Zeit etwas veraltet. Ihr Verkehrsrecht z.B. war eher für ein kleines Reich wie das unter seinem Vater, als ein Großreich, zu dem sich das Frankenreich nun entwickelt hatte, ausgelegt. In der ersten Kodifizierung der Lex Salica wurde festgelegt, daß das zentralistische Verwaltungsystem der Römer übernommen wurde, jedoch auch die germanischen Traditionen gewahrt wurden. Sie beinhaltete außerdem hauptsächlich Bußtatbestände für den Rechtshandel, jedoch auch Grundzüge der Gerichtsordnung und Grundstrukturen der fränkischen Gesellschaft. Die Lex salica kannte nur einen Stand der Freien, denen festes Wergeld und entsprechende Bußsätze zustanden sowie die Halbfreien (Laeti) mit halbem Wergeld. Sklaven stand kein Wergeld zu, auch gab es für sie keine Bußsätze, denn bei Verbrechen oder Ähnlichem haftete ihr Herr. Freie Franken der königlichen Gefolgschaft (Antrustionen), gallorömische Tischgenossen des Königs (convivae regis), Amtsträger der Exekutive in Heer, Gericht und Verwaltung (grafiones), sowie königliche Kuriere und Büttel (pueri regis) erhielten das dreifache Wergeld ihres Geburtsstandes. Im Nachhinein lässt sich feststellen, daß Chlodwig ein Recht aufzeichnen ließ, das seinem Reich alles andere als entsprach, da er den großen germanischen Herrschern der Westgoten und Burgunder in nichts nachstehen wollte. Zurückgegriffen wurde jedoch später nur noch auf die Lex salica, womit eine mündlich überlieferte Rechtsordnung gemeint ist, als auf die veraltete Lex salica scripta oder auch Pactus legis Salicae.

2.3.3. Lehnswesen
Chlodwig hat zu der Zeit auch der Grafschaft mehr Macht verliehen. Die Grafen (Gaugrafen, "Grafio"), die vorher nur polizeiliche Funktionen inne hatten, wurden von Chlodwig mit Vollmachten als Vertreter des Königs ausgestattet. Er belohnte ihre Dienste für den König mit "geliehenem" Land, woraus später das Lehnswesen entstand und band die Adligen dadurch stärker an sich; diese Zeit wird auch Feudalzeit genannt.

2.3.4. Konzil von Orleans
Mehr Macht verlieh er auch den kirchlichen Oberhäuptern, woraus zu schließen ist, dass der Frankenkönig schon damals versucht hat Bistümer zu errichten, jedoch erfolglos, erst unter seinen Nachfolgern sollten diese kirchlichen Institutionen den entscheidenden Schritt machen. Die Vorarbeit stammte allerdings von Chlodwig, der mit dem Konzil von Orleans im Juli 511, nach dem westgotischen Vorbild des Konzils von Agde im Jahr 506, die Begründung der merowingischen Landes- oder Reichskirche schaffte. Chlodwig hatte dieses Konzil nicht nur selbstständig einberufen, sondern auch das Programm der Beratungen entworfen, in dem er sich das Recht vorbehielt bei der Bischofserhebung mitzuwirken. Das Konzil von Orleans war der letzte Höhepunkt in der Regierung Chlodwigs.


2.4. Der Tod Chlodwigs und die Reichsteilung

Chlodwig starb am 27. November 511 im Alter von nur 45 Jahren. Beigesetzt wurde er mit genausoviel Prunk wie sein Vater in der Apostelbasilika in Paris, die er selbst hatte erbauen lassen und die später nach der Pariser Patronin Genofeva umbenannt wurde, die ebenfalls dort bestattet liegt. Als letztes Zeichen seiner Hochachtung vor den Apostelfürsten ließ er seine Votivkrone kurz vor seinem Tod an die Kirche von Rom senden. Sie traf dort jedoch erst nach dem Friedensschluss zwischen Franken und Ostgoten im Jahr 513 ein und wurde von Papst Hormisdas feierlich in Empfang genommen. Das Reich wurde anschließend nach salfränkischen Erbrecht unter den vier Söhnen Chlodwigs aufgeteilt. Ob er selbst noch bestimmt hatte, dass auch sein unehelicher Sohn Theuderich, aus einer vorehelichen Verbindung mit einer Konkubine, die vermutlich aus rheinfränkischen Königsgeschlecht stammte, einen Teil seines Reiches bekam, oder ob die drei Söhne Chrodechildes sich mit ihrem Stiefbruder geeinigt hatten, bleibt unklar. Die vier Könige teilten das Land in vier gleiche Teile und bezogen ihre Residenzen, Theuderich in Reims, Childebert in Paris, Chlodomer in Orleans und Chlotar in Soisson. Das Reich ging nach dieser Reichsteilung nicht unter wie es bei den meisten germanischen Stämmen der Fall war, die vier Könige regierten das Frankenreich gemeinsam und so behauptete es sich noch viele Jahrhunderte und wurde zum Beständigsten der germanischen Reichsgründungen.


3. Geschichtliche Überlieferungen und Erkenntnisse

Letztendlich stammen die meisten Erkenntnisse aus dieser Zeit eindeutig von Gregor von Tours, der mit seiner "Historia Francorum" die Geschichte des Frankenreichs so gut es ging überlieferte. Jedoch gingen durch ihn und die anderen christlichen Bischöfe, von denen unser heutiges Wissen stammt, auch vieles an Informationen zur Kultur und Religion dieser germanischen Völker verloren, da alles aus christlicher Sicht überliefert wurde. Es geht aber aus diesem Überlieferungen eindeutig hervor, daß Chlodwig, neben Karl dem Grossen, der bedeutendste Herrscher der Franken war; denn er legte den Grundstein für die Entwicklung Europas indem er ein Reich erschuf, das alle anderen germanischen Reiche dieser Zeit überdauerte und noch viele Jahrhunderte vorherrschte. Außerdem schaffte er, was keiner seiner Vorfahren auch nur erahnt hätte, er einigte die fränkischen Stämme zu einem Reich und begann die Reichsvergrößerungen, die später den Namen Merowingische Landnahme erhalten sollten; jedoch läßt ihn die Art wie er das erreichte in der heutigen Zeit als grausamen Herrscher erscheinen. Seine Söhne setzten seine Politik fort und eroberten im Jahr 531 das Gebiet des heutigen Frankens. Nun stellt sich die Frage wieso ausgerechnet dieses Land, das als eines der letzten unter den Merowingern erobert wurde, heute noch den Namen eines so bedeutenden Reiches trägt. Die Antwort ist unklar. In den literarischen Quellen wird dies nicht eindeutig belegt, jedoch könnte es nach eigener Theorie daran liegen, dass das heutige Ober-, Unter- und Mittelfranken unter den späteren Herrschern des Frankenreichs, zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert, der Mittelpunkt des Herrschaftsgebiets war. Außerdem war dieses Gebiet bis zur fränkischen Besiedlung eine "herrenlose Pufferzone" zwischen den Reichen der Franken, Sachsen, Thüringer, Bajuwaren und Alemannen. Es gab durch die vielen Wälder, die das Land zu einem siedlungsfeindlichen Gebiet werden ließen, keine ansässige Urbevölkerung, die dem Land einen Namen hätte geben können. Es wurde zwar einige Male besiedelt, jedoch nur vorübergehend. Die germanischen Stämme, die sich für kurze Zeit dort niederließen, zogen entweder alle wieder weiter oder wurden vertrieben wie die Thüringer im Jahr 531. Richtig eingebürgert hatte sich der Name Franken für dieses Gebiet jedoch erst 1837, vorher war das Gebiet im Fränkischen Kreis von 1500/1512 zusammengefasst.


Literaturverzeichnis




© 10.10.2002 by ARATOS. email: aratos_99@web.de