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Das Bundestagsverbot gegen das Junge Deutschland vom 10.12.1835


1. Politische Situation im Vormärz

Zensur gab es schon immer. Es war das Mittel, das der Staat hat um die Menschen in ihrer Gedankenmitteilung zu beschränken. Zensur vernichtet aber nicht nur den Nationalcharakter jedes Einzelnen, sondern auch, oder gerade eben die Presse.
Im Vormärz, womit die Zeit zwischen Wiener Kongress 1815 und Märzrevolution 1848 gemeint ist, hat sich die Zensur noch zusätzlich verschärft. Schon nach den Karlsbader Beschlüssen und der damit verpflichtenden 20 Bogen-Verordnung zeichnete sich diese Verschärfung ab. Von nun an musste jedes literarisches Werk unter 20 Bogen der Vorzensur, jedes andere der Nachzensur vorgelegt werden. Man bezog jetzt auch die Schöne Literatur mit ein und beschränkte sich nicht mehr nur auf rein politische Schriften. Ihren Gipfel hatte die Zensur dann jedoch erst in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts.
Nach der Julirevolution 1830 in Frankreich wurden die deutschen Länder vorsichtig, sie hatten Angst davor, dass das reaktionäre Gedankengut auch nach Deutschland überschwappen könnte. Ausgelöst durch das Hambacher Fest 1832, einer Massenkundgebung zum süddeutschen Liberalismus, erließ Metternich schließlich die „Sechs Artikel“, in denen ein bundeseinheitliches Vorgehen gegen Unruhestifter und Ordnungsbruch beschlossen wurde. Nach dem Sturm auf die Frankfurter Hauptwache im April 1833 folgten die „Geheimen Wiener Beschlüsse“, die die Unterdrückung der Pressefreiheit legalisierten . In diesem Zusammenhang wurde dann vom deutschen Bundestag auch eine eigene Zensurbehörde, die Bundeszentralbehörde zur politischen Überwachung , in Mainz eingerichtet zur Untersuchung demagogischen Umtriebs. Damit waren der Zensur Tür und Tor geöffnet und sie konnte schalten und walten wie sie wollte.
Im Jahre 1835 geriet dann die literarische Gruppierung „Das junge Deutschland“ in das besondere Augenmerk der Zensurbehörden, von denen einige Schriftsteller auch vorher schon öfter mit diesen aneinander geraten waren. Das Ganze führte schließlich zum Bundesbeschluss. Ein „in der Geschichte der Zensur bis dahin unerhörter Vorgang“ , der nicht nur die Schriftsteller selbst überraschte, sondern auch die ebenfalls betroffenen Verleger.

2. Das Bundestagsverbot gegen das Junge Deutschland

2.1. Forschungsstand
Zu dem Fall „Das Junge Deutschland“ gibt es eine ziemliche Flut an Literatur. Die meisten dieser Schriften beschäftigen sich jedoch mehr von der germanistischen Seite her mit diesem Fall, da die Betroffenen die literarische Gruppierung dieser Zeit waren und vor allem auf dem Felde der Kritik viel geleistet haben. Hinzu kommen auch noch viele Schriften des Heinrich-Heine- Instituts in Düsseldorf, vor allem das Buch „Verboten! Das Junge Deutschland.“ half mir sehr weiter, weil darin ziemlich ausführlich auch auf das Bundestagsverbot und den vorausgehenden „Literarischen Bürgerkrieg“ eingegangen wird. Natürlich wird auch in den anderen Quellen das Bundestagsverbot genannt und die Umstände beschrieben, aber die meisten Bücher beschäftigen sich mehr mit den Schriftstellern und gehen nicht so tief auf den Zensurfall ein. In speziellen Büchern zur Zensur finden sich nicht viele und ausführliche Informationen, da war es hilfreicher in germanistischen Büchern zu dieser Gruppierung zu recherchieren. Alles in allem waren die Informationen fast etwas zu umfangreich um alles in dieser Hausarbeit verarbeiten zu können.

2.2. Die Betroffenen
2.2.1. Die Schriftsteller des Jungen Deutschland
Die literarische Gruppierung, die man „Das Junge Deutschland“ nannte, war mehr ein loser Zusammenschluss mehrerer Schriftsteller und Journalisten. Es gab fast keine Gemeinsam-keiten, weder auf sachlicher Ebene noch in einem politischen Programm. Eher im Gegenteil: es kam es oft vor, dass sich die Jungdeutschen untereinander gegenseitig kritisierten. Das einzige, was sich bei allen Schriftstellern erkennen lässt ist, dass sie sich mit der älteren Generation auseinandersetzten und als Literaturkritiker tätig waren. Man grenzt diese Epoche, die auch als die undurchdringlichste der Literaturepochen bezeichnet wird , wegen ihrer Vielzahl von Werken, klar von der Epoche des Vormärz ab, weil sie ihre Texte weniger politisierten. Sie kämpften in ihren Werken, vor allem den Zeitschriften, für politische, religiöse und soziale Freiheit, die Emanzipation der Frau und ein unmittelbares Eingreifen des Schriftstellers in die Tagespolitik. Zumindest anfangs findet sich auch sehr viel Kritik an den Zensurbehörden in ihren Zeitschriften, z.B. im „Forum“, worin Gutzkow schrieb, dass sie „nie davon zu Überzeugen (seien), dass ein wohlgegründeter Staat ausser stehenden Heeren auch stehende Gedanken braucht.“
Den Namen „Das junge Deutschland“ hatten sie durch Ludolf Wienbarg erhalten, der in seinen Ästhetischen Feldzügen 1834 (Anlage1) folgenden Einleitungssatz schrieb:
„Dir, junges Deutschland, widme ich diese Reden, nicht dem alten.“
Eigentlich kann man diese Gruppierung auf die wenigen Autoren beschränken, die auch im Bundesverbot genannt werden, wobei in verschiedenen Quellen auch immer noch andere Schriftsteller hinzugezählt werden, die ich hier außen vor lassen möchte. Im Nachhinein war es sowieso schwierig zu sagen wer genau dazu zählte, weil sich ein Großteil der Schriftsteller nach dem Verbot offiziell von der Gruppierung distanzierte bzw. behauptete, es hätte nie eine derartige Vereinigung gegeben.
Das Zentrum der Jungdeutschen war sicher die Zeitung „Deutsche Revue“ und deren Mitarbeiter Karl Gutzkow (Anlage 2) und Ludolf Wienbarg. In Geheimberichten des Bundes wurden die beiden Redakteure immer wieder als Wortführer genannt.
Karl Gutzkow war als Journalist und Schriftsteller führend im Jungen Deutschland und letztendlich war es auch sein Roman „Wally – Die Zweiflerin“ und sein gespanntes Verhältnis zu seinem ehemaligen Lehrmeister Wolfgang Menzel (Anlage 3), die dieses Verbot auslösten.
Wienbarg hingegen war mehr der Theoretiker dieser Bewegung. Er ist auch der Schriftsteller, der, trotz seiner bedeutenden Beiträge in dieser Zeit, heute zu den am wenigsten bekannten zählt.
Neben diesen beiden waren auch noch Heinrich Laube (Anlage 4) und Theodor Mundt (Anlage 5) vom Verbot betroffen, die man ebenfalls direkt zum Jungen Deutschland zählte. Vor allem Mundt war ein Vertreter eines teilweise illiberalen Nationalismus, unter dem die Juden Heinrich Heine (Anlage 6) und Ludwig Börne (Anlage 7), die beide als Vorbilder und Chorführer des Jungen Deutschland genannt werden, zu leiden hatten.
Heinrich Heine, der am 11.12.1835 in das Verbot mit einbezogen worden war, war auch vorher schon häufig mit den Zensurbehörden anneinandergeraten, sowohl seine vier Bände der „Reisebilder“ aber vor allem seine Vorrede zu den „Französischen Zuständen“ (Anlage 8) sorgten für Furore. Schon 1834 ging er nach erheblichen Konflikten mit den Demagogenverfolgern nach Paris und lebte fortan im Exil. Jedoch erst sein zweiter „Salon“-Band war entscheidend für das Verbot. Er selbst hat sich immer wieder distanziert und wurde eigentlich nie wirklich zum „Jungen Deutschland“ gezählt, obwohl seine Werke dieselben religions- und gesellschaftskritischen Themen behandelten. Allerdings stritt er nie ab, dass er ein starker Sympathisant der Bewegung war.

2.2.2. Die Verleger des Jungen Deutschland
Es gab im Vormärz zwei Verleger, die Schriften des Jungen Deutschland verlegten:
Einmal wäre da der Löwenthal Verlag in Mannheim, ein rein literarischer Verlag, der nur Schriften des Jungen Deutschland verlegte. Er wurde im August 1835 von Zacharias Carl Löwenthal (Anlage 9) ohne Konzession gegründet und veröffentlichte als erstes Werk Gutzkows „Wally – Die Zweiflerin“. Neben dem Roman Gutzkows verlegte er in der Zeit bis Dezember 1835 noch fünf weitere Werke oppositioneller Literatur.
Der zweite Verlag ist der Verlag Hoffmann und Campe in Hamburg, den Julius Campe (Anlage 10) von 1823 bis 1867 leitete und damit zum „bekanntesten und erfolgreichsten Verleger oppositioneller Literatur in Deutschland“ avancierte. Sein Vorteile gegenüber der Löwenthals Verlagsbuchhandlung war sicher sein günstiger Standort im liberaleren Hamburg, seine guten Geschäftsbeziehungen im gesamten deutschsprachigen Raum und auch sein ausgewogenes, krisensicheres Verlagsprogramm, um das unternehmerische Risiko zu verlagern. Gerade bei dem Punkt „Liberaleres Hamburg“ gehen die Meinungen auseinander, so schreibt beispielsweise Kramer, dass die Zensurgesetzgebung in der Hansestadt keineswegs so liberal gewesen war, wie gemeinhin behauptet wird. Es steht jedoch fest, dass Campe in Hamburg weniger Probleme hatte oppositionelle Literatur zu verlegen. Er zögerte anfangs nicht, ein Manuskript auch ohne Zensurerlaubnis zu drucken und verließ sich da auf Schnelligkeit, Heimlichkeit und Täuschung des politischen Untergrunds. Mit Verschärfung der Zensur schließlich ging auch Campe dazu über nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung der Zensurbehörde zu drucken und zensierte auch manchmal selbst das Werk eines Autors.
Goldfriedrich bezeichnet Julius Campe beispielsweise als den „deutschen Buchhändler des Jungen Deutschland“ als Gegensatz zu Heinrich Brockhaus, den er den „deutschen Buchhändler des Vormärz“ nannte. Wobei Ziegler sich von diesem Vergleich ausdrücklich distanziert, weil Gutzkow nach 1840 zu Brockhaus wechselt und man ihn keineswegs mit den anderen Schriftstellern des Vormärz vergleichen kann.

2.3. Das Bundestagsverbot vom 10.12.1835
2.3.1. Der Auslöser: Gutzkows „Wally“
Karl Gutzkow schrieb im Sommer 1835 innerhalb von nur drei Wochen den Roman „Wally – Die Zweiflerin“ (Anlage 11), in dem er sich sehr stark mit religionsphilosophischen und sozialpolitischen Fragen beschäftigte. Vorbild dieses Werkes war, wie er auch selbst zu gab, Friedrich Schlegels „Lucinde“.
Seine Heldin Wally ist eine empfindsame, gläubige junge Frau, die durch ihren Verehrer Caeser, einen Kritiker des christlichen Glaubens, beginnt, an ihren bisherigen Vorstellungen zu zweifeln. Sie ist sehr wissbegierig und beschäftigt sich viel mit Philosophie und Literatur. Das erste Buch beschreibt ihre anfängliche, freundschaftliche Beziehung zu Caesar. Im zweiten Buch wird geschildert wie sie einen anderen Mann heiratet, obwohl sie Caesar liebt. Dieses Buch beinhaltet auch die, in der Literaturkritik stark angegriffene, Sigunenszene, in der sich Wally in ihrer Hochzeitsnacht vor Caesar nackt zeigt. Zusammen mit ihrem Ehemann geht sie schließlich nach Paris, dieser nutzt dort jedoch die Verliebtheit seines Bruders in Wally aus um diesen um sein Vermögen zu betrügen und auch Wally in eine unmögliche Situation zu bringen, als der Bruder sich schließlich umbringt. Wally flieht mit Caesar zurück nach Deutschland und erzählt im dritten Buch – ihrem Tagebuch – ihr Gefühlschaos und wie sehr es sie verletzt, dass Caesar sich von ihr abwendet und ihre Freundin Delphine heiratet. Das ganze gipfelt nach einem Brief, in dem Caesar seine Einstellung zu Religion und Christentum schildert und die Religion als „Verzweiflung am Weltzweck“ bezeichnet, schließlich im Selbstmord Wallys, weil sie der Überzeugung war, „dass ohne Religion das Leben des Menschen elend ist“ .

2.3.2. Der literarische Bürgerkrieg
Mit dem Begriff „literarischer Bürgerkrieg“ wird die Auseinandersetzung zwischen der staatlichen Obrigkeit und Vertretern der Literaturkritik auf der einen Seite, hier allen voran Wolfgang Menzel, und der literarischen Opposition auf der Anderen, vor allem dem Jungen Deutschland mit Gutzkow und Wienbarg, bezeichnet , die sich nach der Veröffentlichung des Romans „Wally“ eine wahre Kritikschlacht in den deutschen Zeitungen lieferten.
Menzel war zu dieser Zeit der Literaturpapst schlechthin, in der heutigen Zeit könnte man gut und gerne den Vergleich „der Reich-Ranicki des Vormärz“ bringen. Durch seine Wally-Rezensionen rechnete er mit seinem ehemaligen Schüler Gutzkow vollständig ab, der sich Anfang 1835 von ihm getrennt hatte und nun, zuerst mit dem Literaturblatt „Phönix“, jetzt mit der „Deutschen Revue“, eigene Wege ging und sich somit als Konkurrent für Menzel herausstellt. Folgendes Zitat spiegelt dieses Verhältnis sehr gut wieder:
„da glaubte der Jupiter tonans des Stuttgarter Literaturblattes seine Alleinherrschaft im Reiche der Kritik aufs äußerste bedroht, und er schleudert seine zornigsten Blitze, um die anstürmende Titanenbrut in den tiefsten Orkus hinab zu schmettern.“
Das ganze beginnt mit der vernichtenden Rezension Menzels im „Literatur-Blatt“ zum „Morgenblatt für gebildete Stände“ im September 1835, bei dem auch Gutzkow früher als Menzels „Schüler“ tätig war. Gleich nach dem ersten Teil dieser Rezension veröffentlicht Gutzkow am 19.09.1835 eine „Erklärung gegen Dr. Menzel in der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“. Menzel kontert mit einer „Gegenerklärung“ in derselben Zeitung am 24. September. Kurz darauf veröffentlicht Gutzkow die Broschüre „Vertheidigung gegen Menzel“.
Von weiteren Anschuldigungen in die Enge getrieben fordert Gutzkow Menzel schließlich zum Duell, doch dieser erscheint nicht mit der Begründung er werde diese Auseinandersetzung nur auf dem literarischen Felde austragen. Diese „Feigheit“ trug Wienbarg schließlich an die Öffentlichkeit und trieb somit auch Menzel in die Enge, der jedoch nichtsdestotrotz mit seinen „Anti-Gutzkow-Tiraden“ fortfährt, in denen er sich auch für diesen Vorfall rechtfertigt.
Menzels Hauptanschuldigungen gegen Gutzkow waren die unchristlichen Tendenzen dieses Romans, die die Moral untergraben, die Herabwürdigung der sozialen Verhältnisse und die Sittenlosigkeit, die seiner Meinung nach vor allem in der oben genannten Sigunenszene zum Vorschein kommt. Die Literaturkritik richtet sich hier hauptsächlich gegen die sog. „Emanzipation des Fleisches“.
Diese literarische Auseinandersetzung, die sich bisher hauptsächlich zwischen Gutzkow und Menzel abgespielt hat, gipfelt Ende Oktober schließlich in dem Aufsatz Menzels „Unmoralische Literatur“, der auch im „Literatur-Blatt“ zum „Morgenblatt für gebildete Stände“ erschien. Hier greift er nun auch Wienbarg persönlich an und zerreißt dessen Roman „Ästhetische Feldzüge“.
Menzel ging schließlich sogar so weit, dass er diese Gruppierung mit einer Sekte verglich. In seinen ganzen Beiträgen kommt auch eine antisemitistische Tendenz zum Vorschein; so bezeichnet er Gutzkow als „den literarischen Lakaien der Judenschaft“ und das „Junge Deutschland“ als „Junges Palästina“.
Insgesamt erscheinen in dieser Zeit 84 Publikationen zu dem Fall „Wally“, meist sind es anonyme Beiträge und Schriften von Literaten, Publizisten, Theologen, vor allem protestantischen, und Juristen.

2.3.3. Der Bundesbeschluss
Man kann sich jetzt darüber streiten ob der oben genannte „Literarische Bürgerkrieg“ die staatliche Obrigkeit auf diesen Roman aufmerksam gemacht hat oder ob sie nicht schon vorher ihr Augenmerk auf das Junge Deutschland gerichtet hatte. Laut Wabnegger sollen auch vorher schon Geheimberichte existieren, die die im Bundesbeschluss genannten Schriftsteller auf eine Schwarze Liste der Zensurbehörden setzten und sie ihm Auftrag Metternichs und des preußischen Geheimrats Tzschoppes bespitzeln ließen.
Was nun auch dazu führte, es war nicht verwunderlich, dass schon im September Preußen mit einem Verbot der „Wally“ reagierte und auch in Würzburg und München erste Konfiskationen stattfanden. Das preußische Verbot stützt sich auf folgende Seiten: 19, 43, 83, 221, 223, 227 und vor allem 260ff, wohingegen sich die literarischen Vorwürfe ja auf die Szene S. 127ff (Sigunenszene) berufen.
Es folgen weitere Verbote des Romans in den anderen Bundesländern. Die Beschlagnahmungen des Romans waren jedoch nicht erfolgreich, weil das Buch zu dem Zeitpunkt schon zum großen Teil ausverkauft war. So waren z.B. in Mannheim von der 700 Stück zählenden Auflage nur noch 2 Exemplare verfügbar. Diese große Popularität der „Wally“ war mit großer Sicherheit dem „literarischen Bürgerkrieg“ zu verdanken, der sozusagen die Werbetrommel für ihn rührte.
Der Höhepunkt dieser ganzen Verbote war schließlich am 10.12.1835 das Bundesverbot (Anlage 12), das die Bundesversammlung in Frankfurt beschloss. Dieser Beschluss geschah auf Geheiß des österreichischen Gesandten in Frankfurt, der wiederum nur die Meinung Metternichs vertrat und war laut Wabnegger die „Geburtsstunde der militanten, aggressiven christlichen Restaurationsdichtung“. Metternich selbst hatte schon vorher geheime Überwachungsbehörden errichtet, die verdächtige Schriftsteller bespitzelten. Er dachte das literarische „Junge Deutschland“ sei eine politische Sekte, die das vorhandene System zerstören wollte. Hier lässt sich schon eine Verwechslung erkennen, denn vermutlich kam es nur so weit, weil der Staat die Gruppierung um Gutzkow mit einem, in der Schweiz gegründeten Geheimbund verwechselte, der sich auch „Das Junge Deutschland“ nannte und wahrlich eine revolutionäre Gesinnung verfolgte.
Auch wenn das Verbot nicht durch Menzels Kritiken ausgelöst worden sein sollte, so übernahmen sie doch beinahe wortgenau dessen Vorwürfe, dass der Roman „Wally“ die christliche Religion angreife, die sozialen Verhältnisse herabwürdige und Unsittliches enthalte. Wobei zweiter Aspekt etwas bisher noch nie Dagewesenes in der Zensur darstellte. Unerhört war auch, dass das Verbot sich nicht nur auf die bisherigen Werke der genannten Schriftsteller sondern auch auf die zukünftigen bezog, eine ungesetzliche Maßnahme, die auch schon im Januar 1836 von Innenminister Rochow rückgängig gemacht wurde. Auch die enthaltene Verwarnung aller Buchhändler und besonders der Hoffmann Campschen Buchhandlung in Hamburg spiegelte eine harte und unerhörte Maßnahme dar.

2.3.4. Folgen des Verbots
2.2.4.1. für die Schriftsteller
Die Folgen dieses Verbots waren für die Betroffenen verheerend. Gerade die Schriftsteller hatten hinterher Probleme wieder Fuß zu fassen.
So distanzierten sich Laube und Mundt hinterher beide von der Gruppierung und gaben ihre bisherigen Grundsätze auf um der staatlichen Obrigkeit keine weiteren Argumente gegen sie zu bieten. Laube wurde durch sein vorheriges Auffallen sogar unter Polizeiaufsicht gestellt, die erst im August 1836 wieder aufgehoben wurde, und ein Pass für Reisen ins Ausland verwehrt.
Wienbarg wurde schon Ende November aus Frankfurt ausgewiesen und floh nach Helgoland. Er hat zwar hinterher noch einige literarische Werke veröffentlicht, wurde jedoch 1839 endgültig von dem Buchmarkt verdrängt. Dieses Verbot hat er nie überwunden und fristete schließlich in einer Heilanstalt dahin.
Gutzkow wurde aufgrund seines Romans „Wally“ im November vor das Mannheimer Stadtgericht vorgeladen und dann am 01.12.1835 verhaftet. Die Zeitschrift „Deutsche Revue“, die zu diesem Zeitpunkt erscheinen sollte, war auch schon vorher verboten worden. Ihm standen mehrere Verhöre und insgesamt sechs Wochen Untersuchungshaft bevor. Erst nach einer Woche U-Haft erfuhr er den Grund seines Prozesses, nämlich die Vorwürfe der Gotteslästerung, Darstellung unzüchtiger Gegenstände und Verächtlichung des christlichen Glaubens und der Kirche. Nur der letzte Anklagepunkt war vor Gericht tragbar und führte zu der höchsten Strafe des Preßgesetzes: Gutzkow wurde zu einem Monat Gefängnis ohne Anrechnung der U-Haft und zur Übernahme von 1/3 der Gerichtskosten verurteilt. Nach seiner Entlassung am 10.02.1836 wurde er aus Baden ausgewiesen, so wie auch vorher schon zusammen mit Wienbarg aus Frankfurt. Dieses Mal konnte er aufgrund einer Krankheit nicht gleich Folge leisten und hielt sich noch eine Zeitlang dort auf, ehe er nach Frankfurt zurückkehrte. Während seiner Haftzeit hat er mehrere Werke geschrieben, konnte jedoch nur anonym einige Aufsätze in der „Allgemeinen Zeitung“ veröffentlichen, weil die Verleger davor zurückschreckten die Zensurbehörden noch mehr zu verärgern, welche auch bei harmlosen Schriften hart blieben wenn es um jungdeutsche Autoren ging. Er hatte hinterher erhebliche Probleme sich und seine Familie finanziell über Wasser zu halten und war zeitlebens ein gebrochener Mensch, der teilweise auch mit Verfolgungsängsten zu kämpfen hatte.
Heinrich Heine war von dem Verbot in der Hinsicht weniger betroffen, weil er ja schon vorher ins Exil nach Paris gegangen war. Jedoch wurden seine weiteren Werke auch nach Milderung des Verbots einer harten Zensur unterzogen und größtenteils verboten. Er selbst schrieb in seinen „Erörterungen 1836“, dass man ihn im Vaterland seines „kärglichen Poetenvermögens“ beraubt hätte, welches er zum Leben dringend benötigt hätte.

2.2.4.2. für die Buchhändler
Für die Buchhändler, gerade für Löwenthal war das Verbot das Ende. Er hatte ja schon zu Beginn seiner Verlagsgründung mit Problemen zu kämpfen gehabt, so wurde ihm eine Konzession verwehrt, weil er keine buchhändlerische Ausbildung hatte und er bekam schon zu Beginn abschätzende Kritiken in den verschiedenen Zeitungen, weil er ein Jude war.
Sein Erstling „Wally“ brach ihm letztendlich das Genick. Der Verlag wurde am 20.10.1835 verboten und auch wenn er im darauf folgenden Prozess noch einen Freispruch erzielte, weil er den Roman vor Drucklegung nicht gelesen hatte, war der finanzielle Verlust, der ihm durch das Verbot ereilte, einfach zu groß und er hatte im Gegensatz zu Campe kein anderes Programm auf das er die Kosten hätte verlagern können. Sicherlich war ein weiterer Nachteil, dass er seinen Verlag zu einem ungünstigen Zeitpunkt gründete, nämlich auf dem Höhepunkt der Verfolgung des „Jungen Deutschland“.
Campe hatte mehr Glück. Obwohl er in dem Bundesbeschluss gesondert genannt wurde, konnte er einen Bankrott abwenden und weiterpublizieren. Er stand ab dem 25.05.1836 ebenso wie die Schriftsteller des Jungen Deutschland unter Aufsicht des Spezialzensors Hofrat Dr. John , verkraftete dies jedoch ganz gut und wagte sich nach einiger Zeit auch wieder daran reaktionäre Schriften zu verlegen. Dies führte für ihn schließlich am 08.12.1841 zu einem Verbot seines Verlags, welches für ihn zu einer existentiellen Bedrohung wurde. Ein halbes Jahr später anlässlich des großen Hamburger Brandes wurde es als Gnadenakt wieder aufgehoben. Er selbst geriet durch die Zensur auch mit seinem Autor Heine aneinander, weil er dessen Bücher teilweise selbst zensierte um noch mehr Unheil abzuwenden.

2.3.5. Reaktionen auf das Verbot
2.3.5.1. Die betroffenen Schriftsteller
Die Reaktionen der Schriftsteller waren durchweg unterschiedlich.
Mundt war der Erste, der sich in aller Öffentlichkeit von der Gruppierung distanzierte und seine bisherigen Grundsätze leugnete. Er war der Ansicht, dass diese Gruppierung, zu der er fälschlicherweise dazugezählt wurde, „ihm nur geschadet“ hätte. Schon 1836 überreicht er sein Manuskript unaufgefordert dem Polizeiminister mit einem unterwürfigen Begleitschreiben. Er verfolgte aber auch eine Doppelstrategie, denn in der Öffentlichkeit kroch er den Behörden sozusagen zu Kreuze, aber im Geheimen versuchte er seine Einstellung zu wahren und sich weiter mit seinen Leidensgenossen solidarisch zu zeigen.
Laube distanziert sich mit einem Artikel in der „Allgemeinen Zeitung“ ausdrücklich von den restlichen Betroffenen, die ihn dafür stark kritisieren, sah das ganze aber als „Unglück für die Schriftstellerei“ und meinte, dass „ein ehrlicher Literat (…) andere Literaten“ nicht tadelt.
Von Wienbarg selbst konnte ich keine spezielle Reaktion auftreiben, jedoch bekam auch er nach Milderung des Bundesbeschlusses noch weitere Verbote und wurde schließlich sogar ganz vom Buchmarkt verdrängt, also scheint es, dass er auch in seinen zukünftigen Werken seine Meinung beibehielt.
Gutzkow selbst sah die Einteilung in eine literarische Gruppierung „Das Junge Deutschland“ als nichtig an, weil er selbst beispielsweise von den anderen Schriften nicht sonderlich begeistert war und auch der Meinung war, dass die einzige Gemeinsamkeit im Verbot und in den Rezensionen Menzels liegt. Er übte hinterher auch starke Kritik an Laube und schrieb folgendes:
„statt zu sagen: es giebt kein junges Deutschland“ sagt er: ich gehöre nicht dazu!“ .
Auch er behält nach dem Verbot, zumindest anfangs, seine Meinung bei, so dass auch noch weitere Bücher von ihm verboten wurden. Im Jahr 1827 entwickelte er allerdings selbst eine Zensurordnung, in der er die Debatte um Preßfreiheit für erfolglos erklärt und meint, man müsse sich der Zensur beugen.
Am mutigsten war Heine, wobei ihm auch sein Exil in Paris ein Vorteil war. Er nahm das Verbot nicht ernst, weil er der Überzeugung war, „dass Preußen so etwas nicht dürfe und auch nicht wagen würde“. Außerdem zählte er sich selbst nicht zu diesem Kreis und sah das Ganze somit als Missverständnis an. Er erkannte auch die nachträgliche Milderung des Verbots durch Preußen nicht an, die ihm erlaubte seine Werke mit Vorlage bei einem Spezialzensor zu veröffentlichen. Für ihn war dies nicht möglich, weil er somit den Bundesbeschluss nachträglich doch noch anerkannt hätte und dadurch sowohl seine politische Meinung geopfert als auch eine Zentralisation gefördert hätte, die es Preußen gestattet hätte Schriften für andere Bundesländer zu zensieren. Dem Jungen Deutschland gegenüber zeigte er sich auch weiterhin solidarisch und legt sich schließlich sogar mit Menzel an, dem er das Werk „Über den Denunzianten“ widmet und sich damit indirekt auch positiv über die „Wally“ äußert.

2.3.5.2. Die Verlage
Die Reaktionen der Verlage waren unterschiedlich.
Für Zacharias Löwenthal war keine andere Reaktion als Resignation mehr möglich. Sein Verlag war am Ende und er konnte das nicht abwenden, also nahm er das Verbot hin und zog sich zurück.
Julius Campe gab nicht so schnell auf. Anfangs erkannte er das Verbot nicht an und forderte sein Recht. Jedoch schon nach kurzer Zeit, als die Früchte dieser Forderung ausblieben, appellierte er an die Obrigkeit und beteuert seine politische Rechtschaffenheit. Und als das alles nichts half, ignorierte er das Verbot einfach und verlegte weiter. Er verurteilte auch scharf die anderen Autoren, die sich sofort von ihren Büchern distanzierten und bewunderte Heine für seine Reaktion. Ihm erschien es nach einiger Zeit nicht mehr sinnvoll eine Rücknahme zu fordern, sondern erfolgreicher, einfach weiterzupublizieren und verbotene Bücher weiterzuvertreiben. Seine Taktik ging schließlich sogar auf, wie man erfährt, denn das Verbot wurde schon nach einigen Monaten gemildert und die Werke mit Rezensur zugelassen.

2.3.5.3. Die Öffentlichkeit
Die Öffentlichkeit kann man in zwei Gruppen unterteilen: Auf der einen Seite die von den Zeitungen beeinflusste Öffentlichkeit und auf der anderen die anderen Schriftsteller. Die Ersteren bezeichneten die Gruppierung als „gefährliche Abenteurer“, die anderen als „Vorreiter eines Neuen“.
Wie schon erwähnt war der Großteil der Deutschen durch die Zeitungen aufgehetzt und gerade durch das Bundesverbot die Vorstellung erweckt worden, dass die Jungdeutschen eine Revolution gewollt hätten. Die Schriftsteller ließen sich jedoch nicht so leicht beeinflussen. So schrieb Börne, dass das einzige Verbrechen des „Jungen Deutschland“ gewesen wäre, dass sie „L’esprit“, einen schönen Schreibstil, hätten, ihr eigentliches Verbrechen lag also auf dem Felde der Literatur. Ähnlich äußerte sich auch Heine. Auch Gustav Kühne, der in einigen Quellen zum Jungen Deutschland gezählt wird, stellte sich hinterher auf die Seite der Jungdeutschen und beabsichtigte sogar einen Angriff auf Menzel, welcher von der schriftstellerischen Seite nur noch als Verräter gesehen wurde.

2.4. Aufhebung des Verbots
Das Verbot konnte sich nicht sehr lange behaupten, schon Anfang 1836, also gerade ein Monat nach dem Beschluss, wurde es von Innenminister Rochow wieder gemildert, indem er die Werke der Schriftsteller wieder zuließ, aber nur mit Genehmigung der obersten Zensurbehörde in Preußen.
Ein Vorteil, der dem Jungen Deutschland zugute kam, war sicherlich die Kleinstaaterei in Deutschland, so handhabte jedes Land die Zensurgesetze anders. Und durch die Tatsache, dass man die Gruppierung nicht genau festlegen konnte, also nicht genau wusste, wer dazuzählte und wer nicht, löste das eine derartige Verwirrung aus, dass manche Staaten, zum Beispiel Sachsen, die Werke weiterhin zuließen, soweit sie die sächsische Zensur überstanden. Es führte auch dazu, dass die Schriftsteller selbst das Ganze aufgrund dieser Zustände nicht wirklich ernst nahmen. Der Kampf gegen das Junge Deutschland war also ein „Kampf gegen einen Gegner, den es nicht gab“. Schließlich wurden auch in Preußen am 20.02.1836 die vorher verbotenen Werke wieder erlaubt, sobald sie die preußische Zensurgenehmigung hatten. Man muss allerdings erwähnen, dass die jungdeutschen Autoren einem Spezialzensor unterstellt waren und ihre Werke ziemlich hart zensiert wurden. Erst 1842 wurde der Bundesbeschluss von Friedrich Wilhelm II. offiziell aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Schriftsteller zum größten Teil schon verstummt.

3. Resümee
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es sich bei dem Fall des Jungen Deutschland um einen ziemlich verzwickten Fall handelt: Es gab keinen klar definierbaren Gegner, das Verbot sollte eigentlich nur empfehlenden Charakter haben wurde aber teilweise hart durchgesetzt, auf der anderen Seite aber auch gar nicht beachtet. Letztendlich war es dem Verbot jedoch nicht möglich die literarische Opposition zu zerstören, denn die Schriftsteller publizierten hinterher alle weiter, auch wenn es für einige der Anfang vom Ende war. Die Jungdeutschen traf die Zensur mit dem Bundesbeschluss, wie Koopmann schreibt, „nicht nur als politisches Druckmittel, sondern vor allem als literarische Fessel“. Wie aber sowohl die Aufhebung 1842 und vor allem auch die Milderung 1836 zeigt, war es nicht möglich einer Gruppe Schriftsteller solche Ketten anzulegen, zumindest nicht im aufgesplitterten Deutschland. Der Fall ist ein Beispiel dafür, wozu die Zensurbehörden fähig waren, wenn sie ihr System bedroht sahen, aber auch dafür, dass es immer Schriftsteller und Buchhändler geben wird, die sich auch von so etwas nicht unterdrücken lassen, sondern gerade dann erst recht ihre Meinung äußern.
Das ganze ist ein sehr interessanter Fall, vor allem weil so etwas vorher noch nie dagewesen war und es eigentlich unerhört und zu hart war. Wenn man heute den Roman „Wally“ liest, erkennt man zwar die Religionskritik, kann jedoch nicht wirklich verstehen wie dieses Werk so eine Kettenreaktion auslösen konnte - zumindest ging es mir so.
Ich selbst bin der Meinung, dass das Verbot eigentlich schon geplant war, die Behörden nur noch einen Grund brauchten um es auszusprechen. Dieser Grund wurde ihnen dann von dem Denunzianten Menzel gegeben, dessen Argumente sie ja beinahe wörtlich übernahmen.



Literaturverzeichnis




© 6.10.2004 by ARATOS. email: aratos_99@web.de